High Performance neu gedacht: Wie HR eine gesunde Leistungskultur fördern kann
Diesen Artikel durfte ich als Gastbeitrag für den Newsletter von HR Collective schreiben.
Leistung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen. Ohne engagierte Mitarbeitende, die ihre Fähigkeiten gezielt einsetzen, bleiben Innovation und Wachstum aus.
Doch oft wird High Performance missverstanden - als ständige Verfügbarkeit, als endlose To-do-Listen oder als völliges Verausgaben für das Unternehmen.
Das Gegenteil ist der Fall: Langfristige und hohe Leistungsfähigkeit entsteht, wenn Menschen ihre Energie gezielt einsetzen, regelmäßige Erholungsphasen einplanen und klare Prioritäten setzen.
Die zentrale Frage ist also nicht, wie Mitarbeitende noch mehr Aufgaben bewältigen können, sondern wie sie leistungsfähig, gesund und motiviert bleiben.
Unternehmen und HR haben hier eine entscheidende Rolle: Sie können Rahmenbedingungen schaffen, die gesunde Leistung fördern und so nicht nur die Produktivität, sondern auch das Wohlbefinden der Mitarbeitenden steigern.
Was wahre High Performer:innen auszeichnet
Erfolgreiche High Performer:innen sind nicht die scheinbar unermüdlichen Mitarbeiter, die immer mehr leisten und jede weitere Aufgabe übernehmen.
Im Gegenteil: Sie steuern ihre Energie bewusst, setzen klare Grenzen und vermeiden Multitasking. Sie wissen, dass ihre Leistungsfähigkeit nicht durch permanente Anstrengung, sondern durch gezielte Regeneration erhalten bleibt. Sie haben gelernt, mit ihrer Energie nachhaltig umzugehen, anstatt sie durch Dauerstress zu erschöpfen.
High Performer:innen arbeiten bewusst und zielgerichtet, reflektieren regelmäßig ihre Arbeitsweise und fokussieren sich auf das Wesentliche. Sie arbeiten nicht mehr, sondern smarter. Das bedeutet, dass sie auch lernen, unnötige Aufgaben loszulassen und bewusst „Nein“ zu sagen, um ihre Leistung langfristig aufrechtzuerhalten.
Warum Dauerperformance nicht funktioniert
Nachhaltige Leistung braucht Balance.
Dauerstress hält das Nervensystem in ständiger Alarmbereitschaft – ein Zustand, in dem der Körper sich permanent auf eine potenzielle Bedrohung vorbereitet. In diesem Modus werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die kurzfristig für erhöhte Wachsamkeit und schnelle Reaktionen sorgen.
Bleibt dieser Zustand jedoch über längere Zeit bestehen, führt er zu körperlicher und mentaler Erschöpfung: Konzentrationsfähigkeit und Kreativität nehmen ab, das Immunsystem wird geschwächt, und Erholungsphasen und Abschalten werden immer schwieriger. Menschen schlafen schlecht, werden gereizter und die Belastbarkeit sinkt.
Es ist also eine ganz natürliche Folge: Ohne bewusste Erholung leidet nicht nur die individuelle, sondern auch die kollektive Performance. Fehler häufen sich, Problemlösungsfähigkeiten nehmen ab. Teams, die unter chronischem Stress stehen, erleben häufig, dass sich die Zusammenarbeit verschlechtert, da sich Frustration und die fehlende Energie negativ auf die Kommunikation auswirken.
Die Rolle der Selbstregulation
Ein zentrales Element nachhaltiger Performance ist die Fähigkeit zur Selbstregulation - das bewusste Wahrnehmen und Steuern der eigenen Emotionen, Gedanken und körperlichen Reaktionen. Wer seine Energie gezielt lenkt, bleibt fokussiert und leistungsfähig, selbst in turbulenten Phasen.
Dadurch ist es viel leichter, ruhig zu bleiben, Konflikte zu lösen, weiterhin klar und wertschätzend zu kommunizieren und den eigenen Kalender unter Kontrolle zu halten.
Was kann HR tun, um nachhaltige Performance zu unterstützen?
1. Weiterbildungen und Coaching zu Stress- und Energiemanagement:
Workshops zu Resilienz, Zeitmanagement und Techniken zur Selbstregulation helfen Mitarbeitenden, das nötige Wissen aufzubauen, wie Regeneration funktioniert.
Das ist die Basis dafür, um die eigenen Gewohnheiten sinnvoll zu verändern. Ein gezieltes Coaching, um die eigenen Grenzen und Blockaden zu verstehen, sind ebenfalls ein relevanter Hebel, um Veränderung und permanenten inneren Leistungsdruck zu reduzieren.
2. Gesunde und effiziente Meeting-Kultur etablieren:
Meetings sollten kurz, zielgerichtet und strukturiert sein. Nach jedem Meeting braucht es einen klaren Abschluss, um weitere Aufgaben zu sortieren und den Kopf wieder freizubekommen. Deshalb empfehle ich immer die Meetings z. B. 25 oder 55 Minuten anzusetzen, dann können die 5 Minuten als Pause genutzt werden.
Außerdem sollten Meetings nicht nur effizient, sondern psychologisch sicher sein, damit sich Teilnehmende verletzlich zeigen und offen austauschen können. Wenn ein Meeting gut eröffnet wird und eine vertrauensvolle Atmosphäre hat, ist die Chance groß, dass danach eine viel bessere inhaltliche Diskussion entstehen kann. Störfaktoren wurden dadurch möglicherweise schon beseitigt.
Fragen, die dabei helfen:
Wie fühlst du dich heute und was brauchst du, um fokussiert in den Tag zu gehen?
Gibt es etwas, was dich heute beschäftigt und dass wir kurz ansprechen sollten, bevor wir beginnen?
Was ist das wichtigste Ziel für unser Meeting heute?
Was ist eine Sache, die dir heute hilft, dich mehr auf deine Prioritäten zu konzentrieren?
Wo hast du unterschiedliche Prioritäten und du brauchst mehr Klarheit?
3. Selbstregulationszonen schaffen:
Reizarme Räume, technikfreie Zonen oder Bewegungspausen im Arbeitsalltag unterstützen die Regeneration und helfen, Stress abzubauen. Dafür Möglichkeiten und eine Struktur zu schaffen, ist Aufgabe des Unternehmens.
Bewegung ist dabei ein entscheidender Faktor: Wer sich regelmäßig bewegt – sei es durch kleine Spaziergänge oder kurze Dehnübungen – kann sich besser erholen, da die Verbindung zum Körper wieder hergestellt wird.
Es ist so wichtig, niemals die Wirkung von kurzen, bewussten Übungen zu unterschätzen. Genau diese Unterbrechungen machen am Tagesende einen großen Unterschied, ob das System völlig überladen ist oder eben nicht.
4. Co-Regulation durch Austausch fördern:
Soziale Interaktion reduziert Stress und stärkt die emotionale Stabilität. HR kann gezielt Formate schaffen, die den konstruktiven Austausch zwischen Kolleg:innen und Mentor:innen unterstützen.
Wichtig dabei ist, dass diese Gespräche nicht in Problemspiralen enden, da dies viel mehr Energie zieht und nichts zur Lösung beiträgt. Im Gegenteil: ständiges Beschweren verstärkt den Stress.
5. Führungskräfte als wichtigste Vorbilder:
Das Führungsteam ist einer der wichtigsten Hebel für hohe und gesunde Leistungsfähigkeit. Sie sind die Vorbilder und beeinflussen die Stimmung im Team, alleine durch ihre eigene Energie und Herangehensweise.
Wer selbst klare Grenzen setzt, bewusst Pausen einplant und gelassen bleibt, gibt Sicherheit und Orientierung. Die Art und Weise, wie Führungskräfte mit Stress und Leistung umgehen, prägt die gesamte Unternehmenskultur.
Eine reflektierte Führungskraft erkennt nicht nur ihre eigenen Stressmuster, sondern kann diese aktiv regulieren, um bewusste und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Diese Energie der Klarheit und Ruhe ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass das Team weiterhin entspannt performen kann.
6. Flexible Arbeitsmodelle etablieren:
Ein guter Mix aus Homeoffice und Teamtagen lohnt sich in meiner Erfahrung immer. Menschen nutzen das Homeoffice für klare Fokuszeit und können dadurch gut abarbeiten und regenerieren.
Ebenso hilft die gemeinsame Zeit im Office, um die sozialen Batterien wieder aufzuladen und die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Es braucht flexible Modelle, die sowohl den persönlichen als auch den geschäftlichen Anforderungen gerecht werden.
7. Eigenverantwortung und Selbstreflexion fördern:
Es ist eines der häufigsten Themen im Coaching: Viele Führungskräfte und Mitarbeitende fühlen sich in ihren Arbeitsstrukturen gefangen und glauben, nur begrenzten Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden zu haben. Doch fast immer zeigt sich im Prozess, dass sie weit mehr Kontrolle darüber haben, als sie zunächst denken.
Die Fähigkeit, bewusst mit der eigenen Energie umzugehen, Entscheidungen reflektiert zu treffen und sich selbst klare Prioritäten zu setzen, ist erlernbar. Unternehmen können diesen Prozess aktiv unterstützen, indem sie eine Kultur der Eigenverantwortung und der ehrlichen Reflexion fördern.
Dazu gehören regelmäßige Reflexionsräume, in denen Mitarbeitende ihre Energielevels und Arbeitsgewohnheiten bewusst hinterfragen können, sowie Workshops zur individuellen Zielsetzung und zum Selbstmanagement. Coaching ist ein wirksames Mittel, um unbewusste Blockaden und Verhaltensweisen zu reflektieren und neue Strategien zu entwickeln.
8. Klare Prozesse und Erwartungen schaffen
Gut durchdachte Prozesse und klare Rollenverteilungen sind die Basis für eine klare und damit stressfreiere Arbeitskultur. Wenn Mitarbeitende genau wissen, welche Aufgaben sie haben, wie Entscheidungen getroffen werden und wo ihre Verantwortlichkeiten liegen, reduziert das Unsicherheiten und unnötige Belastung.
Wo liegen die Grenzen des Machbaren, was Unternehmen abdecken können?
Eine gesunde und hohe Leistungsfähigkeit zu erreichen, ist auch etwas sehr Persönliches. Unternehmen können und sollen optimale Rahmenbedingungen schaffen, doch die Verantwortung für gesunde Leistungsfähigkeit liegt zusätzlich bei jedem Einzelnen.
Die bewusste Reflexion über eigene Stressoren und Energiequellen ist essenziell, um langfristig erfolgreich und gesund zu bleiben. Wer regelmäßig überprüft, was ihn stärkt oder schwächt, kann gezielt nachsteuern – und echte High Performance nachhaltig leben.
Fazit:
Eine nachhaltige High-Performance-Kultur erfordert Umdenken: Statt auf Dauerstress und permanente Verfügbarkeit zu setzen, geht es darum, klug mit Energie umzugehen, Erholung strategisch einzuplanen und bewusste Prioritäten zu setzen.
Unternehmen und HR können durch klare Strukturen, ein starkes Führungsteam, gezielte Weiterbildungen und Coaching eine Umgebung schaffen, die eine gesunde Leistungsfähigkeit unterstützt.
Doch so wichtig organisatorische Maßnahmen auch sind, die Eigenverantwortung jedes Einzelnen bleibt bestehen: Wer seine Stresssignale erkennt, strategisch regeneriert und klug mit seinen Ressourcen umgeht, kann langfristig leistungsfähig bleiben. Nur so können Unternehmen und Mitarbeitende gemeinsam wachsen und langfristig erfolgreich sein.
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